DORMITORIUM 2026 – Aktionsraum Schlaf // Juni, Juli, August: Performances und Aktionen // September, Oktober: Ausstellung

Mit DORMITORIUM 2026 widmet sich das Badehaus Maiersreuth einem Thema, das so universell wie rätselhaft ist: dem Schlaf. Das Ausstellungsprojekt ist kein Versuch, Schlaf zu erklären, sondern versteht sich als Einladung Schlaf als sinnliche, intime, kreative, aber auch dunkle und rätselhafte Erfahrung zu erleben.

Die Idee zu diesem besonderen Ausstellungsprojekt stammt von Susanne Neumann und Axel T Schmidt, die damit den Besucherinnen und Besuchern einen Raum öffnen möchten, in dem sich Kunst und Schlaf, Stille und Aufmerksamkeit, Kontemplation und ästhetische Wahrnehmung miteinander verbinden. Der Titel DORMITORIUM verweist auf die Klostertradition und den Saal, in dem Schlaf, Muße und Rückzug einen festen Ort hatten.


Das unbekannte Drittel unseres Lebens
Schlaf betrifft jeden und bleibt dennoch eines der größten alltäglichen Mysterien. Genau in diesem Spannungsfeld entfaltet DORMITORIUM 2026 seine künstlerische Wucht: Schlaf ist persönlich und universell, körperlich und seelisch, sanft und manchmal unbequem – ein intimes Thema, das neugierig macht und Gespräche eröffnet.

FILMTIPP: TWIST / Was raubt uns den Schlaf, Arte, 2025



Performance, Installation und die Kunst des Loslassens
Das Badehaus Maiersreuth lädt zu einem vielfältigen Programm ein, in dem Künstlerinnen und Künstler aus Europa Schlaf und Traum in performative und installative Formate übersetzen. Die Arbeiten werden ungewohnte ästhetische Erfahrungen jenseits des Wachzustands ermöglichen – mal als ruhiger Gegenpol zu Reizüberflutung und Konsum, mal als gesellschaftliche oder politische Irritation. Der Traum spielt dabei eine zentrale Rolle: als kreativer Raum zwischen Kontrolle und Hingabe, zwischen Bewusstsein und Verschwinden, zwischen Selbstwahrnehmung und poetischem Entgleiten. Und obwohl Schlaf nach Stille verlangt, wird DORMITORIUM 2026 laut und leise zugleich sein: ein Projekt, das Gespräche anstößt, Austausch schafft und die Besucherinnen und Besucher dazu einlädt, über ihr eigenes „unbekanntes Drittel“ nachzudenken.

Teilnehmende KünstlerInnen
Elena Carr (Starnberg)
Anne Glassner (A)
Peter Kees (Steinhöring bei München)
San Keller (CH)
Susanne Neumann (Waldsassen)
Christine Nikol (Amberg / Nürnberg)
Virgilé Novarina (F) mit Walid Breidi, Jean-Marc Chomaz sowie Laurent Karst
Axel T Schmidt (Pirk)

03. -05. Juli: kollektive Schlafperfomances von und mit Anne Glassner
04.- 08. September: Schlafperformance von San Keller im öffentlichen Raum.
September bis Oktober 2026: Gruppenausstellung – Zeichnung, Malerei, Installation, Fotografie, Videos und Performance. Christine Nikol, Peter Kees und Virgile Novarina mit Walid Breidi, Jean-Marc Chomaz sowie Laurent Karst. Und Susanne Neumann und Axel T Schmidt.

Susanne Neumann, Künstlerin und Initiatorin des Badehaus Maiersreuth
„In einer Zeit, in der unsere Tage von Beschleunigung, Datenströmen und permanenter Erreichbarkeit bestimmt werden, wird Schlaf zu einer zutiefst politischen Ressource. Mit DORMITORIUM möchten wir daran erinnern, dass Ruhe kein Luxus ist, sondern ein kulturelles Grundbedürfnis – und vielleicht der radikalste Akt der Selbstsorge, den unsere Gesellschaft derzeit kennt.“

Axel T Schmidt, künstlerischer Leiter des Badehaus Maiersreuth
„KünstlerInnen arbeiten oft an den Rändern des Bewusstseins – dort, wo Wahrnehmung flirrt und Bedeutung kippt. Mit DORMITORIUM 2026 geben wir ihnen nicht nur den Raum, sondern auch die Freiheit, diesen Übergangszustand radikal auszudehnen. Schlaf ist dabei kein Thema, sondern ein Werkzeug: ein öffentlicher Ort des Kontrollverlusts. Und genau dort wird es spannend. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den eingeladenen KünstlerInnen zu erforschen, wie Kunst entsteht, wenn wir zulassen, dass etwas entgleitet.“

Bildquellen: Schlafsaal https://sachsen.museum-digital.de/object/22695?navlang=pt

Herkunft/Rechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt (CC BY-NC-SA) und Kreismuseum Grimma / ERSATZ (RR-F)

CV’s der beteiligten KünstlerInnen

Elena Carr (geboren 1991 in Starnberg) ist eine deutsch-australische Künstlerin, die sich in ihrem Werk an der Schnittstelle von Performance, „Spielskulptur“, Installation und grafischen Protokollen bewegt. Carr studierte an der AdBK München und erhielt 2018 den Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung, 2017 den Kulturförderpreis Starnberg. Im poetischen Prozess betrachtet Elena meist in Komplizinnenschaft, soziale, psychologische und politische Unsicherheiten. Dabei greift sie gesellschaftliche Fragen auf, die sie in räumliche und oft interaktive Arbeiten übersetzt und in verschiedenen Realitätsebenen auftauchen lässt. Sie analysiert alltägliche soziale Momente wie Schlafen oder Schwimmen sowie komplexe Gemeinschaftssysteme und übersetzt diese in dialogische, raumgreifende Umgebungen.

Anne Glassner (geboren 1984 in Wien) ist eine österreichische bildende Künstlerin und Performerin, die vor allem für ihre experimentelle Auseinandersetzung mit den Themen Schlaf, Träume und Bewusstsein bekannt ist. Ihr Werk bewegt sich an der Schnittstelle zwischen privatem Rückzug und öffentlicher Sichtbarkeit. Zu ihren zentralen künstlerischen Ansätzen gehören: Schlafperformances: Glassner nutzt ihren eigenen Körper als Medium und lässt sich an ungewöhnlichen oder öffentlichen Orten beim Schlafen beobachten. Damit thematisiert sie Konzepte von (Un-)Produktivität und Verletzlichkeit.

Peter Kees (geboren 1965 in Bayreuth) ist ein renommierter deutscher Konzeptkünstler, der vor allem durch seine Projekte rund um den Mythos „Arkadien“ bekannt geworden ist. Er lebt und arbeitet in Berlin und Bayern. Kees versteht sich als Chronist und Vermesser gesellschaftlicher Phänomene. In seinen Arbeiten nutzt er verschiedene Medien wie Video, Fotografie, Performance und Installationen, um Fragen nach Sehnsüchten, Visionen und Grenzerfahrungen zu stellen.

San Keller (geboren 1971 in Bern) kann mit Recht als einer der bedeutendsten Schweizer Künstler der Gegenwart bezeichnet werden. Auch international hat er sich mit seinen partizipativ-ephemeren Aktionen und seinen poetisch-witzigen, ganz und gar einzigartigen Objekten ein herausragendes Renommée erworben. Von seinen ersten Auftritten Mitte der 1990er Jahre, u.a. beim Schweizer Fernsehen, wo er während der Tagesschau am Boden schlief, bis zu seinen internationalen Auftritten spannt sich ein kritisches, konzeptuelles, spielerisches Werk, das eine ganz besondere Annäherung an das Verhältnis von Kunst und Leben vornimmt.

Susanne Neumann (geboren 1975) studiert zwischen 1995-2002 Malerei an Akademie der Schönen Künste in Florenz, parallel dazu arbeitet sie als Atelierassistentin mit Daniel Spoerri in seinem Skulpturengarten »Il Giardino«; von 2004 bis 2009 Wohnsitz in Berlin, ab 2010 Wohnsitz in Wien und Projekt BADEHAUS Maiersreuth. 2023 wird sie von Daniel Spoerri zur Präsidentin seiner Stiftung in Italien ernannt. Neumann agiert als „Versammlerin“, die Menschen und Dinge in neuen Kontexten zusammenbringt. Ihre Arbeitsbereiche umfassen Installation, Malerei und Objektkunst.

Christine Nikol (geboren 1959 in Amberg) ist eine zeitgenössische deutsche Künstlerin, die vor allem für ihre farbgewaltigen, raumgreifenden Malereien bekannt ist. Nikol studierte Kommunikationsdesign an der FH Nürnberg und anschließend an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, wo sie Meisterschülerin bei Prof. Ludwig Scharl war. Sie kombiniert lebhafte Ornamente mit sich überlagernden Pflanzenmotiven. Ihre Arbeiten auf Leinwand oder Holz werden oft als „farbenhaft“ beschrieben und weisen Einflüsse der Pop-Art der 1960er Jahre auf.

Virgile Novarina (geboren 1976). Er ist ein französischer Künstler, der insbesondere durch seine Performances und Filme zum Thema Schlaf bekannt ist.  Nach seinem Studium der Mathematik und Physik widmete sich Virgile Novarina der künstlerischen Erforschung seines eigenen Schlafes durch Texte, Zeichnungen, Fotografien und Filme. Der Akt des Schlafens selbst ist durch Performances, bei denen er in der Öffentlichkeit schläft, zu einem wesentlichen Bestandteil seines Schaffens geworden. Seine Begegnung mit dem Digitalkünstler Walid Breidi führte zu verschiedenen Projekten, die sich mit Gehirnströmen, Interaktivität und digitaler Kunst befassen. Die Arbeit „Quantum Dream – der Tag, an dem ich mir den Ozean vorstellte“ – entstand in Zusammenarbeit von Virgile Novarina mit Walid Breidi und dem Kollektiv LABOFACTORY – Jean-Marc Chomaz und Laurent Karst.

Axel T Schmidt (geboren 1959) ist ein deutscher Bildhauer und Installationskünstler, der vor allem für seine ortsspezifischen Projekte in der Oberpfalz und im bayerisch-böhmischen Raum bekannt ist. Schmidt studierte bei Eduardo Paolozzi an der Akademie der Bildenden Künste München und mit Paolozzi verbindet ihn der Bezug seiner Arbeit zu den Begriffsfeldern von Reproduzierbarkeit und Massen-Phänomen. Schmidts Einzelwerke umfassen in unterschiedlichen Anteilen Elemente skulpturaler, installatorischer, performativer, partizipatorischer Natur, ihre Verlinkung mit dem öffentlichen Raum bzw. ihre Ausführung im öffentlichen Raum ist ein Wesens-Moment. Axel T Schmidt hat seinen künstlerischen Tool-Kasten um Elemente der Fake-Art, der Simulations-Art, der Appropriation-Art, der Kontext-Art erweitert.